Fachbereich Informatik - Aktuell

19.07.2011 16:18

Kooperatives Promotionskolleg „Digital Media“: Spagat zwischen Hollywood und Wissenschaft

Drei Hochschulen, zwölf Promotionsstipendien, ein gemeinsames Angebot. Im kooperativen Promotionskolleg „Digital Media“ der Universitäten Stuttgart und Tübingen und der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) können begabte Studierende künftig auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der digitalen Medien forschen und promovieren.

 

Medien unterhalten, informieren, bewerben und bilden – sie sind wichtige Bestandteile des täglichen Lebens. Das neue Kolleg will in der Forschung an allen wichtigen technischen Aspekten digitaler Medien arbeiten. Dazu zählen Bildgewinnung, Bild- und Videoverarbeitung, Bildsynthese, Visualisierung oder auch Displaytechnik in Verbindung mit künstlerischen Aspekten.

 

Das kooperative Promotionskolleg wird gemeinsam von den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie der Hochschule der Medien in Stuttgart getragen. Dafür werden für drei Jahre eine viertel Million Euro für zwölf Promotionsstipendien zur Verfügung gestellt. Das Land Baden-Württemberg finanziert davon neun Stipendien. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Von der Forschungskooperation profitieren alle Seiten, weil die Doktorandinnen und Doktoranden zweier Hochschularten gemeinsam forschen und so ihre besonderen Stärken einbringen und füreinander nutzbar machen können.“ Interessenten können sich ab sofort dafür bewerben.

 

Im Beisein der Hochschulrektoren Wolfgang Ressel und Alexander W. Roos aus Stuttgart und Prorektor Heinz-Dieter Assmann aus Tübingen wurde am 19. Juli 2011 der Kolleg-Auftakt gefeiert. „Die HdM als Fachhochschule besitzt kein eigenständiges Promotionsrecht. Durch das Kolleg können wir begabten Studierenden die Chance bieten, ihr Know-how in der Animation wissenschaftlich zu vertiefen und unser Profil als Hochschule für Angewandte Wissenschaften schärfen“, freut sich HdM-Rektor Professor Dr. Alexander W. Roos. Professor Dr. Bernd Eberhardt, Sprecher des Kollegs und Ansprechpartner an der HdM, ergänzt: „Wir versuchen damit auch den Spagat zwischen Hollywood und Wissenschaft. Die Industrie und die Medienbranche nutzen die gleichen Tools, ob zur Erkennung von Tumoren in medizinischen Datensätzen oder zur Unterhaltung im Kino. Die Verfahren dienen hier wie dort der Visualisierung und dem Erkenntnisgewinn. Und: Ohne Forschung in der Animation wird Gesehenes schnell zum alten Zopf.“

 

„Wir freuen uns, dass die bisher lose Kooperation mit der HdM im Bereich Digitale Medien nun institutionalisiert wird, mit dem Ziel, exzellenten Hochschulabsolventen eine Promotionsperspektive in der Informatik zu bieten“, so der Rektor der Universität Stuttgart, Professor Dr. Wolfram Ressel. Professor Dr. Thomas Ertl, der Ansprechpartner für das Kolleg an der Universität Stuttgart, ergänzt: „Die spezifischen Kompetenzen dieser Kollegiaten in den Bereichen Medienproduktion und Animation bringen eine neue Qualität in unsere grundlagenorientieren Dissertationsprojekte.“

 

Professor Dr. Andreas Schilling, Ansprechpartner der Universität Tübingen für das Kolleg, erklärt: „Vom Promotionskolleg erwarte ich mir starke Impulse für die anwendungsorientierte Forschung im Bereich der Medienproduktion in Baden-Württemberg. Wissenschaftliche Forschung und angewandte Forschung sind keine Gegensätze, sondern sie befruchten sich gegenseitig.“

Standort für digitale Medienproduktion

Seit vielen Jahren ist Baden-Württemberg etabliert in der Ausbildung junger Medienschaffender für Film, Fernsehen und digitale Medien. Vor allem die Großraumregion Stuttgart besitzt eine große Dichte an weltweit renommierten Ausbildungsstätten und Medienunternehmen als potenzielle Arbeitgeber, die auf dem Parkett der Film- und Werbebranche auch international erfolgreich sind und interessante Projekte nach Baden-Württemberg holen. Initiativen dazu sind in Baden-Württemberg mit den „Visual Computing“- und „Animation Media“-Clustern der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg bereits eingerichtet, zielen jedoch nicht primär auf den wissenschaftlichen Bereich ab. Das Promotionskolleg soll diese Lücke schließen und einen Dialog zwischen Wirtschaft und Forschung schaffen.

Forschung auf zukunftsträchtigem Gebiet

Ohne den Einsatz der Computergraphik ist die Medienlandschaft heute nicht mehr denkbar. Vor allem Film-, Video-, Print- und Werbemedien nutzen intensiv die Methoden der Visualisierung und Computergraphik, um Inhalte zu gestalten. Der Betrachter, vor allem im Filmbereich, will mit immer neuen, spektakulären Spezialeffekten umworben und unterhalten werden. Doch ohne neu entwickelte Verfahren und Techniken veralten Medienproduktionen schnell. Das neue Promotionskolleg „Digital Media“ soll durch Forschung und Weiterentwicklung auf dem Gebiet der digitalen Medien diesen Ansprüchen gerecht werden. Es besteht aus den drei Komponenten Medienproduktion, Visualisierung und Computergraphik/Computer Vision. Darin werden alle wichtigen technischen Aspekte digitaler Medien wie Bildgewinnung, Bild- und Videoverarbeitung, Bildsynthese, Visualisierung sowie Displaytechnik in Verbindung mit künstlerischen Aspekten abgedeckt.

Kurze Wege

Das Kolleg wird vom Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme an der Universität Stuttgart (Professor Dr. Thomas Ertl), dem Institut für Graphisch Interaktive Systeme an der Universität Tübingen (Professor Dr. Andreas Schilling) und dem Arbeitsbereich Computeranimation der Hochschule der Medien (Professor Dr. Bernd Eberhardt) getragen. Die jeweiligen Fakultäten der Universitäten ermöglichen den Promotionszugang von HdM- und anderer Hochschulabsolventen im Kolleg und erkennen Professoren der HdM als Betreuer und Mitberichter von Promotionsvorhaben an. Durch die räumliche Nähe der beteiligten Kooperationspartner können Promotionsvorhaben optimal durchgeführt werden. Die Promotionsstudenten haben die Möglichkeit, die Ausstattung und das Lehrangebot aller drei Hochschulen zu nutzen. An den Instituten in Stuttgart und Tübingen steht Hard- und Software-Equipment, wie Large Displays und GPU-Cluster, Reconstruktions- und Computer-Vision-Software zur Verfügung, das die Ausstattung der HdM, darunter ein Motion-Capture- und Motion-Control-System, professionelle Filmkameras und Studios, ergänzt.


Kontakt:

Link:

http://www.hdm-stuttgart.de/promotion/digital_media

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Hochschulkommunikation
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Leitung

 

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